Recognize a moat

 

Die Aufgabe eines Managers einen Burggraben aufzubauen und zu erweitern ist sicherlich eine große Herausforderung. Der Investor hat es hier etwas leichter – er oder sie muss „nur“ erkennen, ob ein Burggraben vorliegt und wie breit dieser Burggraben ist. Aber auch die Beurteilung, ob ein Burggraben vorliegt oder nicht ist für Außenstehende nicht immer einfach. Es gibt aber einige Hilfen und Konzepte, die zur Unterstützung verwendet werden können und die Beantwortung der Frage erleichtern, ob ein Burggraben vorliegt.

 

Schritt 1: Kontrolle der typischen Merkmale

Als Investoren beginnen wir bei unserer Analyse streng genommen beim Endergebnis – wir untersuchen ob ein Burggraben vorliegt oder nicht. Die Prozessfrage – also wie der Burggraben sich entwickelt hat und entstanden ist – interessiert uns dabei eher weniger. Es gibt eine Reihe von Merkmalen, welche bei Burggraben-Unternehmen vorliegen. Somit kann ein Investor diese Kriterien prüfen und hat erste Anhaltspunkte, ob beim analysierten Unternehmen ein Burggraben vorliegt oder nicht.

  • Preispolitik des Unternehmens: Ein sehr deutlicher Hinweis auf einen Burggraben ist die Tatsache, dass ein Unternehmen konstant dazu in der Lage ist, die Preise für die Produkte zu erhöhen. Dabei handelt es sich nicht nur um eine inflationsbedingte Anpassung, sondern um eine deutliche Preissteigerung von mehreren Prozentpunkten. Wenn die Preissteigerung dem Umsatz nicht schadet und die Konsumenten das Produkt weiterhin kaufen (trotz vorhandener billiger Alternativen), hat man einen ersten sehr deutlichen Hinweis auf die Existenz eines Burggrabens.
  • Profitabilität: Unternehmen, die über einen Burggraben verfügen, erweisen sich zumeist als hochprofitabel. Im Artikel zur Profitabilität behandeln wir ausführlicher die Kennzahlen Return on Equity (RoE) oder Return on Assets (RoA), welche ein Gradmesser für Profitabilität sind. Zusätzlich drückt sich die Profitabilität auch noch durch eine ausgesprochen hohe Profit Margin aus, welche höher ist als die der Konkurrenz in der entsprechenden Branche.
  • Hoher Marktanteil: Auch wenn ein hoher Marktanteil alleine keinen Burggraben darstellt ist er dennoch ein gutes Anzeichen dafür, dass ein Burggraben existiert.

 

Schritt 2: Fragen zur genaueren Analyse

Liegen die oben genannten Merkmale vor, hat man bereits erste sehr deutliche Hinweise, dass ein Burggraben existieren könnte. Um die Gewissheit zu verstärken, gibt es einige Fragen, die man sich im Hinblick auf das Unternehmen stellen kann:

  • Was würde passieren, wenn das Unternehmen die Preise plötzlich um 10% anhebt? Man stellt sich theoretisch die Frage, ob das Unternehmen wohl in der Lage wäre die Preise um 10% anzuheben und dennoch nur einen kleinen Bruchteil der Kunden verlieren würde. Wäre eine solche Preiserhöhung möglich ohne dass ein Großteil der Kunden zur Konkurrenz wechseln würde, liegt höchstwahrscheinlich ein Burggraben vor. Ein gutes Gegenbeispiel sind die Bergbau-Unternehmen, die über nahezu keine Preismacht verfügen: Produkte wie Gold, Kohle oder Öl sind sehr leicht austauschbar und absolut identisch und werden somit grundsätzlich beim billigsten Produzenten gekauft. Würde ein Unternehmen sein Gold 10% über dem aktuellen Marktpreis verkaufen, würde es höchstwahrscheinlich keinen Abnehmer finden, da vermutlich kein Käufer bereit ist für ein identisches Produkt diesen Aufpreis zu bezahlen.
  • Bleibt die Profitabilität über viele Jahre konstant hoch? Bleibt die Profit-Margin und die Profitabilität über viele Jahre hinweg konstant hoch. Ein Burggraben sorgt für eine gewisse Konstanz und diese Konstanz muss sich dann auch in den Kennzahlen (RoE, RoA, etc.) zeigen. Wenn nun im Umkehrschluss die Profitabilität konstant gut ist, deutet dies verstärkt auf einen Burggraben hin.
  • Wie steht das Unternehmen im Vergleich zu Konkurrenz in der Branche dar? Burggraben-Unternehmen zeichnen sich auch noch dadurch aus, dass sie gegenüber den Konkurrenten in der Branche immer einen Vorteil aufweisen, der sich in besseren Kennzahlen niederschlägt. Ein Burggraben-Unternehmen wird besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bessere Werte aufweisen als die Konkurrenten und somit sind gute Kennzahlen in Rezessionszeiten in besonders starker Hinweis auf einen Burggraben. In Aufschwung-Phasen müssen gute Kennzahlen dagegen nicht zwangsläufig auf einen Burggraben hindeuten, da in diesen Zeiten sehr viele Unternehmen hohe Profitabilität und gute Gewinne vorweisen können.