Verschuldung

 

Verschuldung als Thema wurde bereits ausführlich in einem eigenen Artikel behandelt. In diesem Artikel legen wir den Schwerpunkt auf die zeitliche Entwicklung der Schulden und betrachten die Verschuldung eines Unternehmens anhand Kennzahlen über einen längeren Zeitraum. Der Anspruch an ein Unternehmen ist dabei, dass die Verschuldung über viele Jahre bzw. Jahrzehnte konstant niedrig ist. Selbstverständlich darf die Verschuldung etwas schwanken und es ist absolut in Ordnung, wenn ein Unternehmen immer wieder aus nachvollziehbaren Gründen neue Schulden aufnimmt und diese in den nächsten Jahren schrittweise wieder reduziert werden. Es ist keinesfalls erforderlich, dass ein Unternehmen über mehrere Jahrzehnte keine oder nur extremst geringe Schulden aufweist – es sollte nur erkennbar sein, wofür neue Schulden aufgenommen werden und diese Schulden sollten sich in einem für das Unternehmen verkraftbaren Rahmen bewegen.

Die langfristige Stabilität hinsichtlich der Verschuldung prüfen wir hier vor allem anhand zweier Kennzahlen:

  • Debt/Equity Ratio: Die Debt/Equity-Ratio sollte maximal 0,5 betragen. Dies bedeutet, dass die Schulden maximal halb so groß sind wie das Eigenkapital des Unternehmens und somit unter normalen Umständen für ein Unternehmen gut verkraftbar.
  • Current Ratio: Die Current Ratio sollte mindestens 1,0 betragen. Dies bedeutet, dass die kurzfristigen Verbindlichkeiten durch das aktuelle Umlaufvermögen gedeckt sind. Besser wären aber Werte über 1,5 damit ein gewisser „Sicherheitspuffer“ vorhanden ist und die kurzfristigen Verbindlichkeiten nicht nur gedeckt sind, sondern auch die Möglichkeit besteht, gewisse Geldreserven aufzubauen.

 

Schwankungen und negative Ausreißer

Bei der Current Ratio stellt es kein so großes Problem dar, wenn diese Kennzahl in einem Jahr (quasi als Ausreißer) einmal schlecht ist, da dies lediglich bedeutet, dass die kurzfristigen Verbindlichkeiten durch das Umlaufvermögen nicht gedeckt waren. In diesem Fall müsste nur geklärt werden, wie es zu diesem einen negativen Ausnahmefall gekommen ist. Zusätzlich sollte noch geklärt werden, wie wahrscheinlich eine Wiederholung ist und welche Konsequenzen dieser Negativfall für die gesamte Entwicklung eines Unternehmens hat bzw. haben kann.

Bei der Debt/Equity-Ratio ist es dagegen sehr unwahrscheinlich, dass diese Kennzahl in einem Jahr extrem schlecht ist und sich im nächsten wieder im Zielbereich von unter 0,5 bewegt. Ist die Verschuldung in einem Jahr extrem angestiegen (was in der Konsequenz zur extrem hohen Debt/Equity-Ratio führt), dauert es meistens mehrere Jahre bis diese Kennzahl sich wieder im Zielbereich bewegt. Dementsprechend muss ein sprunghafter Anstieg dieser Kennzahl auch mit größerer Sorge betrachtet werden.

In den nächsten Abschnitten behandeln wir unterschiedliche Beispiele wie sich die langfristige Verschuldung eines Unternehmens entwickeln kann. Dabei behandeln wir sowohl sehr positive Beispiele als auch Unternehmen, welche eindeutig als Negativ-Beispiel dienen müssen.

 

(1) Western Digital – Konstant niedrige Debt/Equity-Ratio, konstant hohe Current Ratio

Verschuldung WDCEin perfektes Beispiel hinsichtlich Verschuldung stellt die Western Digital Corporation dar. Die Current Ratio bewegt sich immer über 1,0 und in den meisten Fällen sogar über 2,0. Dies bedeutet, dass das aktuelle Umlaufvermögen zumeist mindestens doppelt so hoch ist, wie die kurzfristigen Verbindlichkeiten und somit am Ende des Jahres jeweils ausreichend Kapital vorhanden ist, um langfristige Schulden zu tilgen, Kapitalreserven aufzubauen oder auch in größerem Umfang zu investieren.

Die Debt/Equity-Ratio schwankt auf niedrigem Niveau, wobei kein negativer Trend erkennbar ist. Die Verschuldung steigt in einzelnen Jahren leicht an, wird dabei aber in den Folgejahren wieder reduziert. Western Digital konnte die Verschuldung in den letzten Jahren immer gering halten und wird aufgrund der hohen Current Ratio voraussichtlich auch zukünftig nicht so leicht in die Bedrängnis kommen sich verschulden zu müssen.

 

(2) ExxonMobil: Konstant niedrige Debt/Equity-Ratio aber abnehmende Current Ratio

Verschuldung ExxonMobilGanz ähnlich wie Western Digital weißt auch Exxon Mobil eine konstant niedrige Debt/Equity-Ratio auf – über einen Zeitraum von 10 Jahren immer Werte zwischen 0,04 und 0,12, was von sehr großer Stabilität bei dieser Kennzahl zeugt. Während die Debt/Equity-Ratio bei ExxonMobil perfekt ist, gibt die Current Ratio doch ein bisschen Anlass zur Sorge. Besonders bei der graphischen Visualisierung lässt sich der negative Trend sehr schön erkennen: die Current Ratio wird kontinuierlich geringer und ist in den letzten Jahren deutlichen unter 1,00 gefallen, was bedeutet, dass die kurzfristigen Verbindlichkeiten nicht mehr durch das aktuelle Umlaufvermögen gedeckt sind. In diesem Falle besteht dann die Gefahr, dass zunehmend Geldreserven verbraucht werden müssen oder neue Schulden aufgenommen werden – beides eher negative Szenarien. Dennoch spricht die extrem niedrige Debt/Equity-Ratio dafür, dass in diesem Beispiel noch keine wirkliche Gefahr droht; es handelt sich lediglich um kleine Warnungen.

 

(3) Coca-Cola: Etwas zu niedrige Current Ratio und konstant steigende Debt/Equity-Ratio

Verschuldung Coca-ColaDeutlich gefährlicher wird es, wenn die Verschuldung über die Jahre hinweg zunehmend ansteigt. Die Current Ratio von Coca-Cola bleibt zwar über die Jahre hinweg relativ stabil, allerdings sind in mehreren Jahren Werte unter 1,0 zu verzeichnen, was bedeutet, dass das Umlaufvermögen in einigen Jahren nicht ausreichend war, um die kurzfristigen Verbindlichkeiten zu decken. Die deutlich größere Gefahr ist allerdings die über die Jahre kontinuierlich ansteigende Debt/Equity-Ratio – von 0,08 im Jahr 2006 auf 1,11 im Jahr 2015. Auch wenn die Verschuldung noch nicht extrem hoch, hat sich hier dennoch ein negativer Trend etabliert der in Kombination mit der relativ geringen Current Ratio zur Wachsamkeit mahnt. Sollte beispielsweise plötzlich ein sogenannter „Schwarzer Schwan“ – ein Ereignis, welches zwar selten und höchst unwahrscheinlich ist in seinen Konsequenzen aber oft katastrophal – auftauchen, könnte diese Kombination aus etwas zu hoher und ansteigender Verschuldung sowie niedriger Current Ratio sehr gefährlich werden.

 

(4) ThyssenKrupp: stark schwankende Verschuldung mit extremen Werten

Verschuldung ThyssenKruppDie Current Ratio bewegt sich bei ThyssenKrupp im akzeptablen Bereich – es sind keine Werte unter 1,0 vorhanden, was bedeutet, dass die kurzfristigen Verbindlichkeiten in allen Jahren gedeckt waren. Die Debt/Equity-Ratio ist aber ausgesprochen besorgniserregend: ausgehend von 2007 hat diese bis ins Jahr 2013 extrem zugenommen und erreichte mit 3,10 einen sehr hohen Wert. Obwohl die die Schulden in den nächsten Jahren wieder reduziert werden konnten war die Debt/Equity-Ratio mit 2,01 im Jahr 2015 immer noch sehr hoch, sodass ThyssenKrupp aktuell nicht den Eindruck eines soliden Unternehmens hinterlässt. Man kann maximal festhalten, dass ThyssenKrupp eventuell wieder auf dem Weg der Besserung ist – dennoch müsste ganz konkret die Frage beantwortet werden, warum es im Jahr 2012 und 2013 zu einem so starken Anstieg der Verschuldung gekommen ist.