Dividend-Aristocrats

 

Die Definition der Dividenden-Aristokraten ist eigentlich sehr einfach und leicht nachvollziehbar, auch wenn es für Unternehmen alles andere als einfach ist, in den Kreis der Dividenden-Aristokraten aufgenommen zu werden. Damit ein Unternehmen sich in den USA als Dividenden-Aristokrat bezeichnen darf, muss dieses für mindestens 25 Jahre in Folge jährlich die Dividende erhöht haben.

Dividenden-Aristokraten sind besonders häufig bei denjenigen Unternehmen zu finden, die sogenannte nicht-zyklische Konsumgüter herstellen, also Güter bei denen die Nachfrage unabhängig von konjunkturellen Schwankungen konstant hoch ist. Besonders stark vertreten sind hier die Branchen Pharmazie (Abbott Laboratories, Johnson&Johnson), Versorger (ExxonMobil, Chevron Corp) und Hersteller täglicher Konsumgüter (McDonalds, Unilever, Wal-Mart). Diese Unternehmen finden sich vor allem deswegen im Kreis der Dividenden-Aristokraten, da aufgrund der konstant hohen Nachfrage nach diesen Produkten auch konstant hohe Gewinne erzielt werden können.

In den weiteren Abschnitten dieses Artikels wird sowohl auf die Vorteile als auch auf die Nachteile der Dividenden-Aristokraten eingegangen. Zusätzlich wird eine Übersicht der amerikanischen Dividendenaristokraten sowie derjenigen europäischen Aktien geboten, welche am ehesten an den Dividenden-Aristokraten-Status herankommen. Zum Abschluss wird anhand dreier Beispiele verdeutlich worin die Stärke der Dividenden-Aristokraten liegt.

 

Vorteile der Dividenden-Aristokraten

Der große Vorteil der Dividenden-Aristokraten liegt logischerweise einerseits darin, dass diese Unternehmen die Dividende jährlich erhöhen und somit eine Stabilität und eine gewisse Erwartbarkeit für die Zukunft erzeugen. Zusätzlich handelt es sich bei diesen Dividendenerhöhungen oft auch nicht um kleine Cent-Beträge, sondern in vielen Fällen um Steigerungen von 5-10% pro Jahr. Wer mit der Geschichte des Schach-Erfinders und seinem eigenwilligen Wunsch der Bezahlung vertraut ist, weiß um die unbeschreibliche Macht des Zinses-Zins. Nicht zuletzt aufgrund dieses Zinseszins-Effekts sind Dividenden-Aristokraten besonders dann interessant, wenn die Aktien über einen sehr langen Zeitraum gehalten werden. Deswegen sind die Dividenden-Aristokraten im Hinblick auf eine mögliche Altersvorsorge (Stichwort: passives Einkommen) sicherlich in die engere Auswahl einzubeziehen Es könnte an dieser Stelle der Versuch gestartet werden den Vorteil des Zinses-Zins und die hohen Rendite-Chancen theoretisch zu beschreiben – wirklich greifen lassen sich die unglaublichen Renditen aber erst durch konkrete Fälle und anschauliche Beispielrechnungen.

Als weiterer Vorteil lässt sich oft noch beobachten, dass der Kurs dieser Aktien zumeist nicht so starken Schwankungen ausgesetzt ist – sowohl nach oben als auch nach unten. Der Grund dafür ist relativ einfach: es handelt sich bei den Dividenden-Aristokraten um sehr erfolgreiche und stabile Unternehmen, deren Aktienkurs diese Stabilität in den meisten Fällen auch abbildet. Junge Unternehmen oder Start-Ups sind im Vergleich dazu hinsichtlich des intrinsischen Werts viel schwerer einzuschätzen.

 

Nachteile der Dividenden-Aristokraten

In der hohen Qualität dieser Unternehmen liegt auch ein Nachteil begründet: Die Stabilität dieser Unternehmen und die Sicherheit, die sich daraus ableiten lässt, wird von den Investoren auch in den Kurs der Aktie eingepreist, was oft zu deutlich höheren Bewertungen an der Börse führt. Ein Nachteil der Dividenden-Aristokraten ist deswegen, dass diese sehr oft nur zu einem hohen Preis an der Börse zu haben sind – also anhand fundamentaler Kriterien überbewertet sind. Somit ist Geduld erforderlich um einen passenden Moment für den Kauf zu finden – beispielsweise dann, wenn auch diese Unternehmen im Zuge eines Crashs der gesamten Börse mit in die Tiefe gezogen werden.

Ein weiterer Nachteil ist das Risiko, dass möglicherweise der Status „Dividenden-Aristokrat“ mit allen Mitteln verteidigt werden will. Sobald ein Unternehmen einmal auf die Dividenden-Erhöhung verzichten muss und für ein Jahr die Dividende „nur“ stabil hält, ist der Status „Dividenden-Aristokrat“ streng genommen für 25 Jahre verloren. Dementsprechend verbissen werden die Unternehmen darum kämpfen, dass die Dividende von Jahr zu Jahr erhöht wird, was im schlimmsten Fall dazu führen kann, dass Entscheidungen getroffen werden, die langfristig nicht sinnvoll sind und dem Unternehmen schaden. Entweder müssen vorhandene Bargeldreserven für die Auszahlung der Dividende verwendet werden oder möglicherweise auch neue Schulden aufgenommen werden – beides eher ein Warnsignal für den Investor.

Insgesamt überwiegen die Vorteil und die hohe Qualität der Unternehmen, welche sich als Dividenden-Aristokraten bezeichnen dürfen die Nachteile, welche eventuell entstehen können, bei weitem. Wichtig ist auch bei diesen Investitionen der Kauf zum richtigen Zeitpunkt (siehe dazu den entsprechenden Abschnitt im Artikel zur Dividenden-Investing Strategie)

 

Amerikanische Dividenden-Aristokraten (S&P-500)

Eine wirklich große Auswahl an Unternehmen, die nach den strengen Kriterien zu den Dividenden-Aristokraten gehören, findet sich nur in den USA. Die nachfolgende Liste beschränkt sich auf diejenigen Unternehmen, welche im S&P-500 gelistet sind. Sicherlich gibt es noch einige weitere Unternehmen, die sich ebenfalls als Dividenden-Aristokraten bezeichnen dürfen aber in dieser Übersicht nicht auftauchen (die einzelnen Liste und Tabellen zu den Dividenden-Aristokraten werden kontinuierlich erweitert).

 

Europäische “Dividenden-Aristokraten”

Im Falle europäischer Aktien ist es nicht so einfach genau zu ermitteln wie lange eine Dividende gezahlt wird. In den meisten Fällen liegen die Daten nur für die letzten Jahre vor. Nur in wenigen Fällen lassen sich die Dividendenzahlungen weit in die Vergangenheit zurückführen. In Deutschland und den europäischen Ländern lassen sich Dividendenaristokraten kaum finden, was auch dafür spricht, dass die Dividende in den USA eine höhere Rolle spielt als in Deutschland.

Anstatt einer Liste mit richtigen Dividenden-Aristokraten (welche ausgesprochen kurz oder ggf. sogar inexistent wäre) sollen hier drei Kategorien von Aktien vorgestellt werden, die hinsichtlich Dividendenstabilität hervorstechen. Eine erste Kategorie sind diejenigen Firmen, welche wie in den USA möglichst viele Jahre zusammenhängend die Dividende erhöht haben. Als zweite Übersicht werden diejenigen Unternehmen präsentiert, welche möglichst viele zusammenhängende Jahre die Dividende nicht gesenkt haben – diese Unternehmen konnten die Dividende zwar nicht in jedem Jahr steigern, dafür mussten sie aber auch keine einzige Dividendenkürzung vornehmen, sondern konnten diese zumindest in jedem Jahr stabil halten. Die dritte und letzte Übersicht beinhaltet diese Unternehmen, welche die Dividende zwar nicht in jedem Jahr stabil halten konnten, aber maximal eine Dividendenkürzung vornehmen mussten.

 

Beispiele: Warum Dividenden-Aristokraten sind effektiv sind?

Auch wenn die Vorteile der Dividenden-Aristokraten theoretisch beschrieben werden können, sind – wie so oft – Beispiele um einiges eindrucksvoller. In den folgenden drei Beispielen soll dem Leser vor Augen geführt werden, wie sich Dividendenrenditen entwickeln können, wenn Aktien von Dividenden-Aristokraten über 20, 30 oder sogar 40 Jahre gehalten werden.

Beispiel: Novartis

Bei einem Kauf von Novartis zum IPO für 25 Schweizer Franken im Jahr 1996 hätte man eine Dividenden-Rendite von 2,00% erzielt. Im Jahr 2015 – 19 Jahre später – würde man für dieses Investment eine jährliche Dividendenrendite von 10,8% bekommen, was für sich genommen bereits eine ordentliche jährliche Rendite darstellt, die in Zukunft voraussichtlich noch ansteigen wird. Gemessen am Ausgangswert hat sich die Dividendenrendite in knapp 20 Jahren mehr als verfünffacht.

Entwicklung der Dividende von Novartis
Entwicklung der Dividende von Novartis

Beispiel: ExxonMobil

Auch wenn eine Dividendenrendite von knapp 11% bei Novartis ganz ordentlich ist, zeigt das Beispiel ExxonMobil, dass ein Zeitraum von 19 Jahre eigentlich noch zu kurz ist, damit der Zinses-Zins-Effekt bei den Dividenden-Aristokraten richtig zum Tragen kommt. Hätte man ExxonMobil im Jahr 1980 (hieß damals vor der Fusion noch Exxon bzw. Standard Oil of New Jersey) gekauft, könnte man im Jahr 2015 – also 35 Jahre später – eine Rendite von 77,58% im Jahr erzielen. Auch wenn in diesem Beispiel die extrem gute Ausgangsrendite von über 9% bereits sehr hoch ist, hat sich die Rendite trotzdem in dem Zeitraum noch fast um das 8-fache erhöht.

Entwicklung der Dividende von ExxonMobil
Entwicklung der Dividende von ExxonMobil

Beispiel: The CocaCola Company

Das letzte und zugleich beeindruckendste Beispiel ist eines von Warren Buffets absoluten Lieblingsunternehmen – Coca-Cola. Hätte man Coca-Cola ebenfalls im Jahr 1980 gekauft, so wäre damals mit etwas über 6% eine geringere Dividenden-Rendite als bei ExxonMobile erzielt worden. Über einen Zeitraum von 35 Jahren – also im Jahr 2015 – hätte man aber eine jährliche Dividendenrendite von faszinierenden 187,51% erzielt. Dies bedeutet, dass sich die Dividendenrendite in 35 Jahren um knapp das 30-fache erhöht hat. Selbstverständlich muss noch berücksichtigt werden, dass inflationsbedingt ein Dollar aus dem Jahr 1980 nicht mehr den gleichen Wert hat wie 2015 – die Rendite wäre also geringer, wenn die Inflation mit eingerechnet wird. Es muss dann aber auch noch einmal betont werden, dass es sich bei der Dividendenrendite von 187,51% lediglich um die Rendite eines Jahres handelt und auch ausschließlich um die Dividende – die Entwicklung des Aktienkurses ist dabei nicht berücksichtigt (die Aktie hat im gleichen Zeitraum übrigens ein Plus von 5886% erwirtschaftet). Wundert sich noch jemand, warum Warren Buffett Coca-Cola so gerne als Paradebeispiel für das perfekte Unternehmen anführt?

Entwicklung der Dividende von Coca-Cola
Entwicklung der Dividende von Coca-Cola