Dividend

 

Eine Dividende ist die Beteiligung der Aktionäre an den Gewinnen die ein Unternehmen im letzten Geschäftsjahr erwirtschaftet hat. Diese Beteiligung erfolgt zumeist in einer gewissen Regelmäßigkeit – entweder am Ende des Geschäftsjahres oder auch quartalsweise. In den USA wird die Dividende zumeist quartalsweise ausgeschüttet, in Deutschland und im europäischen Raum ist die jährliche Zahlung verbreiteter. In überdurchschnittlich vielen Fällen erfolgt die Auszahlung der Dividende europäischer Unternehmen im Monat Mai. Zusätzlich gibt es noch wenige Fälle von halbjährlichen bzw. monatlichen Auszahlungen (bei einigen ETFs oder REITs).

Es schütten aber bei weitem nicht alle Firmen eine Dividende aus. Vor allem junge Firmen, die erst wenige Jahre existieren und die sogenannten Wachstumsfirmen zahlen nur in den seltensten Fällen eine Dividende an die Aktionäre. Bei den meisten Firmen vergehen nach dem IPO (erster Tag an dem die Aktien an einer Börse handelbar sind) viele Jahre bevor erstmals eine Dividende ausgeschüttet wird. Oft warten die Unternehmen mit der Ausschüttung einer Dividende bis die Gewinne eine Stabilität erreicht haben.

 

Sonderzahlungen

Zusätzlich zur quartalsweisen/jährlichen Dividende, die im Normalfall in einer gewissen Regelmäßigkeit ausgeschüttet wird, kann es noch Sonderzahlungen geben. Zur Ausschüttung einer Sonderdividende kann es beispielsweise dann kommen, wenn aufgrund außergewöhnlicher und zumeist einmaliger Effekte ein besonders hoher Gewinn erzielt wurde oder möglicherweise Vermögensgegenstände des Unternehmens verkauft wurden. In solchen Fällen greifen Unternehmen dann gerne zu Sonderdividenden, da auf diese Weise deutlich gemacht werden kann, dass es sich um eine einmalige Zahlung handelt und diese Dividendenzahlung im nächste Jahr höchstwahrscheinlich nicht erfolgen wird. Würde die „normale“ Dividende einfach erhöht werden, würde dies eine gewisse Erwartungshaltung erzeugen, dass die ausgeschüttete Dividende im nächsten Jahr in gleicher Höhe erfolgt. Für den Investor bedeutet dies, dass Sonderdividenden für die Zukunft noch schwerer zu berechnen sind als die normale Dividende – dies erzeugt somit eine höhere Ungewissheit über die Höhe der ausgeschütteten Dividende.

 

Dividendenrendite

Die Dividendenrendite errechnet sich eigentlich ganz einfach: hierbei wird die ausgezahlte Dividende durch den aktuellen Kurs geteilt, zu welchem das Wertpapier an der Börse gehandelt wird. Auf diese Weise lässt sich ein prozentualer Wert ermitteln, der angibt wie viel Gewinn beim aktuellen Aktienkurs durch die Dividende erwirtschaftet werden kann. Dabei ergibt sich für jeden Tag im Prinzip eine neue Dividenden-Rendite, da der Börsenkurs eines Wertpapiers im Normalfall starken Schwankungen unterliegt. Die Dividenden-Rendite bewegt sich bei den meisten Aktien in etwa zwischen 2% und 5%

Die RTL Group schüttet für das Geschäftsjahr 2016 eine Dividende von 3,00€ aus. An dem Tag war die Aktie für 73,56€ zu haben. Rechnet man also 3,00€/73,56€ so kommt man für die RTL Group auf eine Dividendenrendite von 4,08%. Bei Exxon Mobile wurde 2015 im ersten Quartal eine Dividende von 0,69$ gezahlt, in den Quartalen zwei, drei und vier jeweils eine Dividende von 0,73$, was insgesamt eine Dividende von 2,88$ ergibt. Hätte man die Aktie zu Beginn des Jahres für 92,88$ gekauft, müsste 2,88$/92,88$ gerechnet werden. Dies ergibt eine Dividendenrendite von 3,10%.

 

Payout-Ratio

Die Payout-Ratio gibt an, wie viel vom jährlichen Gewinn eines Unternehmens für die Dividendenzahlung verwendet werden muss. Dabei ist die Spanne der möglichen Payout-Ratios sehr groß: von Unternehmen, die fast keine Gewinne ausschütten bis zu Unternehmen, die nahezu die vollständigen Gewinne als Dividende auszahlen. Berechnet wird die Payout-Ratio ganz einfach: Dividende je Aktie / Gewinn je Aktie

In erster Linie kann die Payout-Ratio als Filter oder als Warnsignal verwendet werden. Besonders gefährlich wird es, wenn die Payout-Ratio den Wert von 100% übersteigt. Dies bedeutet, dass mehr an Dividende ausgeschüttet wird als in dem Jahr an Gewinn erwirtschaftet wurde, was wiederum bedeutet, dass entweder Geldreserven des Unternehmens verwendet werden müssen oder Kredite für die Dividendenzahlung aufgenommen werden müssen (zwei langfristig denkbar schlechte Szenarien). Aber auch wenn sich die Payout-Ratio (möglicherweise über mehrere Jahre) zunehmend dem Wert von 100% annähert, sollte ein Investor sehr hellhörig und vorsichtig werden, da hier ein deutliches Warnsignal vorliegt, dass die Dividende kaum mehr durch die Dividende gedeckt ist und eine Dividendenkürzung möglicherweise bald bevorsteht.

Die RTL Group erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2015 einen Gewinn von 5,14€ pro Aktie. Ausgezahlt wurde eine Dividende von 3,00€. Rechnet man also 3,00€/5,14€ ergibt sich eine Payout-Ratio von 58,36%. RTL hat für sich selbst die Vorgabe gemacht 50-75% des Gewinns auszuschütten, was in diesem Fall auch zutrifft. ExxonMobile erwirtschaftete 3,85$ pro Aktie Gewinn im gleichen Jahr und schüttete 2,88$ als Dividende aus. Rechnerische ergibt sich somit mit 2,88$/3,85$ eine Payout-Ratio von 74,81% was bereits sehr hoch ist und somit ein erstes Warnzeichen sein kann.

 

Auszahlungsformen von Dividenden

Gewöhnlicherweise wird die Dividende in Geld ausbezahlt (in der Landeswährung des jeweiligen Unternehmens). Zusätzlich gibt es von vielen Unternehmen, die regelmäßig eine Dividende zahlen sogenannte Dividenden-Reinvestitionsprogramme (Dividend Reinvestment Plans, DRIPs). Hierbei wird die Dividende nicht mehr in Geld an die Aktionäre ausgezahlt, sondern die Höhe der Dividende wird direkt verwendet, um diese erneut in Anteile des Unternehmens zu investieren. Auf diese Weise können oft Broker-Gebühren umgangen werden und es ist auch möglich “Bruchstücke” einer Aktie zu erwerben. Teilweise können Investoren auch auswählen, ob ein bestimmter Prozentsatz der Dividende in Geld ausgezahlt werden soll und der restliche Teil reinvestiert werden soll.

Als interessante Anekdote sei am Rande erwähnt, dass es auch Unternehmen gibt, welche die Dividende oder einen Teil der Dividende in Naturalien ausbezahlen: Aktionäre von Lindt & Sprüngli bekommen bei der Hauptversammlung regelmäßig eine Auswahl aus der eigenen Süßwaren-Kollektion; Aktionäre von Beiersdorf erhalten eine Auswahl von Pflegeprodukten; Wrigley’s hat Kaugummi an die Investoren verteilt und Unternehmen aus dem Bereich Unterhaltung oder Restaurant/Gastronomie verteilen manchmal Gutscheine für das eigene Unterhaltungs- oder Verpflegungsangebot. Auch die Verpflegung und Unterhaltung auf der Hauptversammlung wird als Naturaldividende verstanden. Bei großen börsennotierten Unternehmen ist eine Dividende in Naturalien aber immer nur eine Zugabe zur “normalen” in Geld bezahlten Dividende.

 

Ex-Dividend Date / Ex-Tag

Mit dem Begriff “Ex-Tag” oder “Ex-Dividend” wird der Tag bezeichnet, nachdem die Dividende ausgezahlt wurde. Dies ist somit auch der erste Tag, an dem Aktionäre bei Neukauf einer Aktie keinen Anspruch mehr auf die Dividende haben. Clevere Menschen kamen sicherlich schon mehrfach auf die Idee Aktien einfach am Tag bevor die Dividende ausgezahlt wird zu kaufen, anschließend die Dividende zu kassieren und direkt im Anschluss wieder zu verkaufen in der Hoffnung, dass die Kursschwankungen in der Zwischenzeit nicht allzu groß waren. Das Problem ist aber: am Ex-Dividend Date oder Ex-Tag wird der aktuelle Börsenkurs der Aktie auch um den ausgezahlten Betrag der Dividende reduziert, so dass die Handelseröffnung automatisch um den entsprechenden Betrag unter dem Schlusskurs des Vortages erfolgt.

Die Aktie der RTL Group ging am 25. April 2016 bei circa 73,12€ aus dem Handel und eröffnete am nächsten Tag (nach Abzug der Dividende) bei 71,10€. Abgezogen wurde einen Dividende von 3,00€. Wer allerdings rechnen kann wird feststellen, dass der Unterschied nur circa 2€ beträgt – der restliche Euro Unterschied ergibt sich durch die normalen Schwankungen der Börsenkurse, welche auch über Nacht an allen anderen Tagen auftreten.

 

Beginn einer Dividenden-Zahlung als Einschnitt

Auch wenn dies sicherlich nicht immer zutreffen muss, wird die Einführung einer Dividende (also wenn ein Unternehmen das erste Mal eine Dividende bezahlt) oft als Einschnitt gesehen. Warum? Wenn wir uns noch einmal in Erinnerung rufen, was mit den Gewinnen eines Unternehmens passieren kann, gibt es darauf eigentlich nur zwei mögliche Antworten – entweder dieses Geld wird an die Aktionäre als Dividende ausgezahlt oder das Geld wird genutzt um damit neue Investitionen zu finanzieren. Grundsätzlich ist es besser, wenn die Gewinne reinvestiert werden, da auf diese Weise zukünftiges Wachstum generiert werden kann, welches dann wiederum im Optimalfall noch größere Gewinn abwirft. Beginnt ein Unternehmen nun damit, die Gewinne nicht mehr zu reinvestieren, sondern auch als Dividende auszuzahlen kann dies dahingehend interpretiert werden, dass das Unternehmen sich nicht mehr in der Lage sieht weiterhin im großen Stil zu wachsen. Der Beginn einer Dividendenzahlung könnte somit als Warnsignal für eine gewisse Sättigung des Unternehmens gesehen werden.

Ein Zusammenhang zwischen Wachstum und Dividende ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen. Die Formel „Solange Wachstum möglich ist, wird keine Dividende gezahlt – wenn eine Dividende gezahlt wird, ist kein Wachstum mehr möglich“ ist aber sicherlich zu stark vereinfacht und wird dem komplexen Zusammenhang nicht vollständig gerecht.

 

Dividendenzahlung nach Sektoren

Auch wenn Verallgemeinerungen immer in gewisser Weise gefährlich sind gibt es doch gewisse Branchen und Sektoren, welche als besonders dividenden-stark bekannt sind. Hersteller täglicher Konsumgüter, Versorger- und Telekommunikationsunternehmen sind als soldie Dividendenzahler bekannt. Vor dem Crash im Jahr 2007/2008 wurden auch die meisten Banken als sichere Dividendenzahler angesehen. Somit ist es auch nicht überraschend, dass Unternehmen aus diesen Branchen überdurchschnittlich häufig in der Liste der Dividenden-Aristokraten auftauchen. Ganz vereinfacht gesprochen sind zahlen die Unternehmen, welche Produkte mit konstant hoher Nachfrage herstellen auch am konstantesten Dividenden. Es handelt sich dabei um sogenannte anti-zyklische Produkte, deren Nachfrage kaum von der gesamtwirtschaftlichen Situation abhängig und somit schaffen es diese Unternehmen konstant hohe Gewinne zu erwirtschaften.

 

Dividenden können auch gekürzt werden

Was eint die DAX-Schwergewichte EON, RWE, Deutsche Bank und Volkswagen? Sie alle mussten in den letzten Jahren die Dividende kürzen – teilweise sogar mehrfach. Bei allem was man über Dividendenerhöhung und Rekorddividendenausschüttung liest, sollte man nicht vergessen, dass Dividenden auch gekürzt werden können. Es gibt immer wieder Beispiele von Unternehmen, die lange Zeit Dividenden gezahlt haben oder sogar in dem erlesenen Kreis der Dividenden-Aristokraten waren und dann die Dividende kürzen mussten. Besonders im Zuge der Finanzkrise im Jahr 2008 mussten sehr viele Banken ihre Dividenden teilweise sehr stark kürzen.

Der Automobilhersteller Volkswagen zahlte noch im Jahr 2015 eine Dividende von 4,80€ pro Stammaktie – diese Dividende wurde im Jahr 2016 nach dem Abgasskandal vollständig gestrichen. Im Jahr 2012 zahlte RWE noch eine Dividende von 2,00€ pro Aktie, in den Jahren 2013 und 2014 wurde nur noch eine Dividende von 1,00€ gezahlt und für das Geschäftsjahr 2015 wurde die Dividende vollständig gestrichen.

 

Weitere Links

  • Informationsmaterial zur Dividende finden sich bei fast jedem Unternehmen in dem Abschnitt “Investor Relations” (Sucht man bei Google nach “Unternehmensname + Investor Relations” kommt man schnell zum gewünschten Ziel).
  • “Elite-Gruppe” der Dividenden-Zahler: Dividenden-Aristokraten
  • Strategie des Dividenden-Investement als Sonderform des Value Investement